Chronische Erkrankungen und besondere Lebensphasen
Gebiss und Ernährung: Was kann die Fütterung gegen Zahnstein tun?
Zahnstein und Zahnfleischentzündungen sind bei vielen Hunden ein Dauerproblem. Wir zeigen, was die Ernährung bewirken kann und was die wissenschaftliche Wahrheit über „Dental Sticks“ ist.
Wann sofort zum Tierarzt?
- •Blut im Kot oder Erbrochenem
- •Teilnahmslosigkeit, trinkt oder frisst seit 24+ Std. nicht
- •Wiederholtes Erbrechen, besonders wenn kein Wasser unten bleibt
- •Aufgeblähter oder schmerzhafter Bauch, Winseln
- •Durchfall länger als 3 Tage oder sich verschlechternde Symptome
Dieser Artikel dient Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.
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Gebiss und Ernährung: Was kann die Fütterung gegen Zahnstein tun?
Zahnfleischerkrankungen sind die häufigste Diagnose bei Hunden, 80% der Hunde über 3 Jahren sind betroffen. Die Ernährung ersetzt keine Zahnsteinentfernung, kann aber deren Entstehung erheblich verlangsamen.
Trockenfutter vs. Nassfutter, funktioniert das?
Der lang gehegte Mythos, dass "Trockenfutter die Zähne reinigt", ist nur teilweise wahr:
- Normales Kibble zerbröselt, es reibt nicht am Zahn
- Die Wirkung auf die Zahnsteinbildung ist minimal
- Die Situation ist bei Nassfutter nicht schlechter
"Dental"-Futter, wirken sie wirklich?
✅ VOHC (Veterinary Oral Health Council) Zertifikat = nachgewiesene Wirkung:
- Royal Canin Dental
- Hill's t/d (Dental Care)
- Eukanuba Dental Defense
Diese reduzieren tatsächlich die Zahnsteinbildung (um 30–50%):
- Größere Kibble-Größe → zwingt zum Kauen
- Spezielle Gewebe-Struktur → reibt am Zahn
- Kalziumbinder (STPP) → Zahnstein haftet weniger an
Nur wenn es "dental" beschriftet ist, nicht jedes Futter.
Ursachen für Mundgeruch
"Hundegeruch aus dem Maul" ist NICHT normal:
- Zahnfleischerkrankung (am häufigsten)
- Zahnstein
- Nierenerkrankung, ammoniakartiger Geruch (Tierarzt!)
- Diabetes, süßlicher, acetonartiger Geruch (dringend!)
- Magen-Darm-Problem
- Tumoröse Veränderung
4 Stufen der häuslichen Zahnpflege
1. Zähneputzen (am effektivsten)
- Täglich oder 3x wöchentlich
- Hundefreundliche Zahnpasta (KEINE für Menschen, Xylitol!)
- Kleine Fingerbürste oder Hundezahnbürste
- Mit positiver Verstärkung daran gewöhnen
2. Kau-Dental-Snacks (mit VOHC-Zertifikat)
- Greenies, Whimzees, Pedigree Dentastix
- Liefern Kalorien, vom Tagesration abziehen
- Für ältere Hunde: Harte Snacks vermeiden (Zahnbruchrisiko!)
3. Spezielles Dentalfutter (VOHC), langsam, aber messbare Verbesserung über Monate.
4. Chlorhexidin-Mundspülung/Gel, auf tierärztliche Empfehlung.
Der "Knochen-Mythos"
- ✅ Rohe, große Knochen bieten mechanischen Abrieb
- ❌ Harte Knochen können Zahnbruch verursachen (besonders bei älteren Hunden)
- ❌ Gekochte Knochen splittern
Sicherer: Büffelhorn, Rinderhaut-Kauartikel (verarbeitet), Yak-Käse, Kong-Kauspielzeug.
Altersgerechte Strategie
Welpe (0–6 Monate): Gewöhnung an die Zahnbürste, weiche Kauspielzeuge.
Erwachsener Hund (1–7 Jahre): Mindestens 3x wöchentlich Zähneputzen, VOHC Dental-Leckerlis, jährliche tierärztliche Zahnkontrolle.
Senior (7+): Jährliche Zahnsteinentfernung beim Tierarzt, Umstellung auf weicheres Futter bei Zahnschmerzen, vorsichtiges Zähneputzen, Vermeidung harter Kauartikel.
Zahnsteinentfernung, lohnt es sich?
Ja, wenn sichtbarer Zahnstein vorhanden ist:
- Erfolgt unter Narkose
- 1–2 Mal pro Jahr ist in der Regel ausreichend
- Die Kosten richten sich nach dem Körpergewicht
- Nicht aufschieben, Parodontitis ist systemisch (Herz, Niere, Leber)
Praktische Wochenroutine
- Montag, Mittwoch, Freitag: Zähneputzen
- Täglich: VOHC Dental-Snack (vom normalen Futter abziehen)
- Wöchentlich: Maulinspektion (Zahnfleisch, Atem)
- Jährlich: Tierärztliche Zahnkontrolle
Zahnschmerzen beim älteren Hund
- Verminderter Appetit (besonders auf Trockenfutter)
- Speicheln
- Schwellung einer Gesichtsseite
- Kopfschütteln
- Lethargie
→ Alles Schmerzanzeichen, Tierarzt aufsuchen.
Natürliche Unterstützer
✅ Nachweislich wirksam: Petersilie (Atemerfrischung), Kokosöl (antibakteriell, kleine Dosis), Chlorhexidin-Gel.
❌ Zu vermeiden: Essig (sauer, magenreizend), Zahnpasta für Menschen (Xylitol = tödlich!).
Wann ist es dringend?
🚨: Blut aus dem Maul, Kauen nur auf einer Seite (Schmerz!), Wimmern beim Fressen, plötzlicher Appetitverlust, Zahnfleischschwellung/Tumor.
Dies sind informative Angaben.
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Quellen
- 1.Wallis C, Holcombe LJ — A review of the frequency and impact of periodontal disease in dogs. Journal of Small Animal Practice 61(9):529–540, 2020. https://doi.org/10.1111/jsap.13218 (abgerufen: 2026-09-10)
- 2.Harvey CE, Shofer FS, Laster L — Association of age and body weight with periodontal disease in North American dogs. Journal of Veterinary Dentistry 11(3):94–105, 1994. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9693607/ (abgerufen: 2026-09-10)
- 3.Veterinary Oral Health Council (VOHC) — VOHC Accepted Products for Dogs — plaque and tartar control. VOHC, 2024. https://vohc.org/accepted-products/ (abgerufen: 2026-09-10)
Dies sind allgemeine Informationen und ersetzen keine tierärztliche Diagnose.

Dieser Ratgeber wurde auf Basis der fachlichen Expertise von Reka Fazekas-Birizdo Hundeernährungsberaterin, zusammengestellt.
Zertifizierte Hundeernährungsberaterin

