Nährstoff ABC

Kohlenhydrate für Hunde: Sind sie überhaupt notwendig?

Viele glauben aufgrund des „grain-free“-Trends, Kohlenhydrate seien schlecht. Die Realität ist nuancierter. Ein Leitfaden zum wissenschaftlichen Konsens.

3 Min. LesezeitÜberprüft: 27. Mai 2026

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Kohlenhydrate für Hunde: Sind sie überhaupt notwendig?

Aufgrund der „grain-free“-Bewegung und des Paleo-Trends denken viele, Kohlenhydrate seien schädlich. Die Realität: Kohlenhydrate sind nicht essenziell, aber ein nützlicher Nährstoff in der Ernährung des Hundes.

Was bedeutet „nicht essenziell“?

Der Hund kann Glukose aus anderen Nährstoffen (Proteine, Fette) synthetisieren, er kann also ohne diätetische Kohlenhydrate überleben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dies optimal ist.

Warum sind Kohlenhydrate nützlich?

  1. Energie: schnell verfügbare Energiequelle
  2. Ballaststoffe: Verdauungsregulierung (siehe separaten Artikel)
  3. Proteinschonung: Proteine können so für den Muskelaufbau genutzt werden
  4. Günstigere Energie hinsichtlich des Futterpreises

Kohlenhydratmenge in typischen Futtermitteln

TypKohlenhydrate %
Herkömmliches Trockenfutter35–50%
Proteinreiches Futter25–35%
Grain-free30–45% (oft mit Hülsenfrüchten)
Nassfutter5–15%
BARF0–15% (kalkuliert)
Selbstgekocht nach Rezept20–40%

Komplexe vs. einfache Kohlenhydrate

Komplexe Kohlenhydrate (besser):

  • Reis
  • Süßkartoffel
  • Gerste, Hafer
  • Kürbis
  • Erbsen, Linsen (aber siehe: DCM-Risiko bei hohen Mengen)

Einfache Kohlenhydrate (zu vermeiden):

  • Zucker
  • Glukose-Fruktose-Sirup
  • Weißes Weizenmehl in großen Mengen

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Glykämischer Index (GI)

Zeigt die blutzuckererhöhende Wirkung von Lebensmitteln an. Besonders wichtig bei diabetischen Hunden.

QuelleGIAnmerkung
Weißer Reis70–90 (hoch)Plötzlicher Blutzuckeranstieg
Brauner Reis50–60Mäßig
Süßkartoffel50Mäßig
Hafer50–60Mäßig
Erbsen, Linsen30–50Niedrig
Kartoffel (gekocht/gebacken)80+Hoch

Ist getreidefreies Futter notwendig?

Nicht unbedingt. Getreidefreies Futter ist nicht grundsätzlich gesünder. Im Gegenteil:

  • Laut FDA-Berichten bergen einige getreidefreie Futtermittel ein DCM-Risiko.
  • Hunde verdauen Getreide gut (langes Zusammenleben mit dem Menschen).
  • „Grain-free“ ist nicht gleich „kohlenhydratarm“, oft sind nur Hülsenfrüchte anstelle von Getreide enthalten.

Wann ist getreidefrei sinnvoll?

  • Nachgewiesene Getreideempfindlichkeit (mit Eliminationsdiät)
  • Empfehlung eines Tierernährungsberaters

Kohlenhydrat-empfindliche Zustände

Diabetes: moderate Mengen an komplexen Kohlenhydraten mit niedrigem GI-Wert.

Pankreatitis: komplexe Kohlenhydrate empfohlen (Reis, Kürbis).

IBD: hydrolysiertes Protein und leicht verdauliche Kohlenhydrate.

Was bedeutet „Low-Carb“ Hundefutter?

Merkmale von „Low-Carb“ Hundefutter:

  • Unter 25% Kohlenhydrate
  • Höherer Proteingehalt (35%+)
  • Höherer Fettgehalt (15%+)
  • Teurer

Für wen ist es sinnvoll?

  • Für sehr aktive, sportliche Hunde
  • Für diabetische Hunde
  • Für bestimmte Hunde mit Tumoren (in Absprache mit dem Tierarzt!)

Für den durchschnittlichen erwachsenen Hund nicht notwendig.

Die Qualität der Kohlenhydratquelle zählt

Es ist nicht egal, was die Kohlenhydratquelle ist:

Gut:

  • Reis (weiß oder braun)
  • Süßkartoffel
  • Kürbis
  • Hafer, Gerste
  • Erbsen (in moderaten Mengen)

Gemischte Qualität:

  • Mais (nicht schlecht, aber weniger nahrhaft)
  • Weizen (Empfindlichkeit bei einigen Hunden)
  • Kartoffel (gut, aber hoher GI)

Zu vermeiden:

  • Zucker, Glukosesirup
  • Karamell (nur Farbstoff)
  • „Nicht identifiziertes Getreide“

Praktische Ratschläge

  1. Kohlenhydrate sind kein Feind für gesunde Hunde
  2. Komplexe Quellen sind besser als einfache
  3. Grain-free ist nicht grundsätzlich besser
  4. Bei speziellen Zuständen (Diabetes, Pankreatitis) konsultieren Sie Ihren Tierarzt

Diese Informationen dienen nur zu Informationszwecken.

Quellen

  1. 1.Axelsson E, Ratnakumar A, Arendt ML, et al. — The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature 495:360–364, 2013. https://doi.org/10.1038/nature11837 (abgerufen: 2026-09-10)
  2. 2.National Research Council (US), Committee on Animal Nutrition — Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press, Washington DC, 2006. https://doi.org/10.17226/10668 (abgerufen: 2026-09-10)
  3. 3.FEDIAF (European Pet Food Industry Federation) — Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. FEDIAF, 2024. https://europeanpetfood.org/self-regulation/nutritional-guidelines/ (abgerufen: 2026-09-10)

Dies sind allgemeine Informationen und ersetzen keine tierärztliche Diagnose.

Reka Fazekas-Birizdo

Dieser Ratgeber wurde auf Basis der fachlichen Expertise von Reka Fazekas-Birizdo Hundeernährungsberaterin, zusammengestellt.

Zertifizierte Hundeernährungsberaterin

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